Die Geschichte

der Stadt- und Kreisbibliothek Osterburg-Stendal

1954 - Gründung
Die Stadt- und Kreisbibliothek Osterburg wurde 1954 mit einem Buchbestand von 5.500 Bänden gegründet, wobei die Kinderbibliothek in einem anderen Teil der Stadt untergebracht war (im "Haus der Jungen Pioniere" in der Ernst-Thälmann-Straße). Die Bibliothek musste aus räumlichen Gründen mehrmals umziehen: von der Kirchstraße 32 in das Rathaus am Kleinen Markt 7 (1957), von dort in das Kreisheimatmuseum in der Straße des Friedens 21 (1967), bis sie ihr jetziges Domizil am Großen Markt 10 erhielt.

1770 - Die Geschichte des Fachwerkhauses am Großen Markt 10
Dieses Gebäude mit der Hausnummer 10 hat eine interessante Entwicklungsgeschichte hinter sich, die bis in das Jahr 1770 reicht. Nach dem großen Stadtbrand im Jahr 1761, bei dem der Stadtkern von Osterburg völlig vernichtet wurde, begann man sofort mit dem Wiederaufbau der Bürgerhäuser, gekoppelt mit systematisch folgerichtiger Nummerierung  nach Bauablauf. In einer Akte des Magistrats zur Häusernummerierung mit Blechschildern aus dem Jahr 1796 findet sich erstmalig öffentlich verzeichnet unser heutiges Fachwerkgebäude unter der laufenden Nummer 125 wieder, mit dem Bürgereintrag "Bürgermeister Paalzow". Ludwig Paalzow (1707-1770) bestimmte ab 1739 die Geschicke der Biesestadt. Danach ging das Haus in den Besitz des Gerichtsassessors Kreyenberg über, der es vermietete. Nach seinem Tod fanden von 1828 bis 1834 Verhandlungen des Magistrats unter der Leitung des Bürgermeisters Brand und der geistlichen Kastenkasse als Träger der Stadt mit den Erbenvertretern Kreyenberg statt, über den Ankauf des Gebäudes zur Nutzung als städtische Volkschule für Knaben.

1836 - Umbau vom Wohnhaus zur Schule
Auf dem Gebiet der Volksschulbildung der Stadt Osterburg konnte eine bestehende kleine Küsterschule, in der 58 Knaben und 40 Mädchen im Katechismus, Schreiben und Lesen unterwiesen wurden, den Anforderungen durch die steigende Zahl der Volksschüler nicht mehr gerecht werden. Aus diesem Grund wurde eine sechsklassige Knabenschule mit ungefähr 200 Knaben für das Fachwerkhaus konzipiert. 1834 erfolgte der Kauf des Hauses durch den Magistrat von Osterburg. Vom Wohnhaus zur Schule umgebaut wurde es in den Jahren 1836/37. Feierlich eingeweiht wurde die Knabenschule am 2. Oktober 1837 durch Superintendent Wolterstorff.

1935 bis 1939 - Sitz des Kreismuseums
Bis Ende des 19. Jahrhundert hatte die Stadt dennoch ständige Schulprobleme und mit überfüllten Klassen zu kämpfen, in deren Folge 1889 ein neues Schulgebäude für Mädchen in der Burgstraße errichtet wurde. Die ersten Ausstellungsräume für das Kreisheimatmuseum wurden 1935 im Kreyenschen Haus eingerichtet. Es hatte bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges seinen Sitz dort. Während und nach dem Krieg lagerten bis 1954 alle Museumsstücke auf dem Dachboden, bevor sie ins heutige Kreismuseum kamen.

1962 bis 1977 - Nutzung des Gebäudes als allgemeine Schule (Oberschule III)
Ab 1937 siedelten die Volksschüler in die Hainschule um. Dafür wurde von 1945 bis 1962 dort die Kreisberufsschule etabliert. Die Berufschüler zogen nun in ein neues Gebäude an der Düsedauer Straße. Von 1962 bis 1977 wurde das Haus am Großen Markt wieder für die allgemeine Schule genutzt. Die Oberschule III von Osterburg war dort untergebracht. Erst nach dem Umzug der Oberschule 1977 in das neue Schulgebäude an der Ballerstedter Straße, der späteren Karl-Marx-Schule, wurden zu DDR-Zeiten wesentliche Kapazitätsprobleme in Osterburg gelöst.

1980 - Die Stadt- und Kreisbibliothek zieht ins Gebäude am Großen Markt
Ab 1980 wurde in dem Fachwerkgebäude die Stadt- und Kreisbibliothek untergebracht. Zwischenzeitlich war die Sonderschule mit Schulklassen und Verwaltung dort tätig. Vom Rademarkt über Großen Markt, Marx-Engels-Platz bis wieder zum Großen Markt 10 steht sie bis heute an diesem Platz. Notwendige Reparaturarbeiten waren in den letzten 50 Jahren äußerst spärlich. Erst mit der Einheit Deutschlands änderte sich das.

1990 - Visionen einer modernen Bibliothek: Pläne zur Rekonstruktion des Gebäudes
1990/91 kamen die Stadt und der Landkreis mit dem Osterburger Architektbüro Quiatkowski überein, das Gebäude der Bibliothek, welches ein eingetragenes Baudenkmal ist, zu rekonstruieren. Zeitgleich wurden Arbeitsbesuche in verschiedenen Bibliotheken Niedersachsens durchgeführt, um bei der Projektierung bzw. der Gestaltung die Kriterien einer modernen Bibliothek zu berücksichtigen. So sollte nach den Ideen des Bibliotheksleiters Manfred Güßfeld (Leiter von 1986 bis 2007)  in das Gebäude auch gleich eine Gymnasial- und Kinderbibliothek integriert werden. 1992 begannen die Bauarbeiten mit Geldern aus dem kulturellen Infrastrukturprogramm der Bundesregierung, mit Landesmitteln der Bezirksregierung und Eigenmitteln der Stadt sowie des Landkreises Osterburg. In dieser Zeit (September 1992) zog die Bibliothek in das ehemalige Restaurant des Kreiskulturhauses Osterburg ein. So konnte die bibliothekarische Arbeit fortgesetzt werden und was noch wichtiger war, die Entleihung von Medien. 1994 wurde die Rekonstruktion des Gebäudes der Stadt- und Kreisbibliothek, einschließlich eines neuen Magazins und Sanitärtraktes, abgeschlossen. Insgesamt kostete der Um- und Neubau 2,5 Millionen DM.

01.07.1994  - Gebietsreform des Landes Sachsen-Anhalt tritt in Kraft - Osterburg wird zum Sitz der Kreisbibliothek
Die vom Leiter der Bibliothek entwickelte "Konzeption zum öffentlichen Bibliothekswesen der Landkreise Osterburg, Stendal und Havelberg" konnte realisiert werden. Damit wird Osterburg zum Sitz der Stadt- und Kreisbibliothek, sowie zum Standort der beiden Fahrbüchereien (Kreistagsbeschlüsse der Kreistage Stendal, Osterburg und Havelberg). Es wird ein Vertrag über die Verwaltung der Stadt- und Kreisbibliothek zwischen der Stadt Osterburg und dem Landkreis Stendal geschlossen, unterzeichnet vom Landrat und dem Bürgermeister.

02.09.1994 - Wiedereröffnung der Stadt- und Kreisbibliothek am Großen Markt 10
Durch die Umbaumaßnahmen wurde der Charakter des denkmalgeschützten Fachwerkhauses weder außen noch innen verändert. Es blieb in seinem statischen Gebilde vollständig erhalten (außen). Innen wurden einerseits multifunktionelle Großräume in jeder Ebene geschaffen, andererseits der ursprüngliche Grundriss für die Besucher sichtbar gelassen. Die hellen großen Räume sind durch Fachwerkstützen, Fachwerkriegel und Wandvorlagen gegliedert worden. Hierdurch entstanden Bereiche und Nischen, die zum Verweilen einladen und ein ungestörtes Stöbern in den Regalen ermöglichen. Das Nebengebäude, ebenfalls im Fachwerkstil errichtet, beherbergt den Sanitärtrakt, und das Magazin. Hier sind die Medien der Stadtbibliothek und Fahrbücherei untergebracht, die nicht im Freihandbereich stehen.

Medienangebot und Raumnutzung

In der Stadt- und Kreisbibliothek befinden sich rund 50.000 Medien (Stand 2011), die zur kostenlosen Entleihung zur Verfügung stehen. Dieses sind Kinder- und Jugendbücher, Belletristik, Sachliteratur, fremdsprachige Literatur, Musik- und Hörspiel-CDs, Hörbücher, Gesellschaftsspiele, DVDs, Videos, CD-ROMs, Wii- und DS-Spiele, Zeitschriften, Comics, Klassensätze für die Grund- und Sekundarschulen sowie Gymnasien im Landkreis Stendal.
Das Erdgeschoss ist vorwiegend für Kinder ausgerichtet: Sitz- und Spielflächen laden zum Verweilen und Schmökern ein. Eine besondere Attraktion ist das Leseschiff, welches Gelegenheit bietet, seiner Phantasie freien Lauf zu lassen. Im Erdgeschoss befinden sich auch die Zeitschriften sowie Filme, Musik, Hörbücher und elektronische Medien. Die erste Etage beherbergt die Belletristik, den Sachbuch- und Informationsbestand, eine Jugendecke sowie einen umfangreichen und aktuellen Bestand an Klassensätzen. Hier kann jeder Besucher ungestört den Lesesaal benutzen, sowie im Internet surfen und im elektronischen Bestandskatalog der Bibliothek recherchieren. Es sind auch circa 60 Plätze für Veranstaltungen vorhanden. In der zweiten Etage befinden sich die Büroräume für die Mitarbeiter. Auf dem Bibliothekshof, der mit Natursteinen gepflastert ist, finden von Frühjahr bis Herbst Außenveranstaltungen statt. Ein einladenes und schönes Ambiente, allein schon wegen der im Fachwerkstil errichteten Gebäude sowie den Grünbepflanzungen.

1998 - Landesliteraturtage machen Lust auf mehr: die "Osterburger Literaturtage" entstehen
Vom 07.10. bis zum 10.10. 1998 fanden in Osterburg die 7. Literaturtage des Landes Sachsen-Anhalt statt, unter maßgeblicher Regie des Bibliotheksleiters Manfred Güßfeld (Leiter von 1986 bis 2007). Seit 1999 stellt die Biesestadt ihre eigenen Literaturtage, die "Osterburger Literaturtage" auf die Beine. Die OLITA, wie sie die Einwohner liebevoll nennen, werden finanziell unterstützt vom Land Sachsen-Anhalt, vom Förderverein der Schriftsteller,
vom Friedrich-Bödecker-Kreis, vom Landkreis Stendal und von ortsansässigen Firmen und Privatleuten. Organisation und Durchführung der Veranstaltungsreihe obliegen der Stadt- und Kreisbibliothek.

auch bei uns: Digitale Medien ausleihen und downloaden

Die Bibliothek und die Fahrbücherei erhalten jährlich Fördergelder vom Land Sachsen-Anhalt zum Kauf neuer Medien und zur Durchführung von Leseprojekten. Herzlichen Dank dafür!

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